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Bericht ESKA Europacup in Koblenz/D vom 27. und 28. November 2010

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European Shotokan Cup ESKA 2010Wettkampftag 1

Sensationeller zweiter Rang für unsere vier Musketiere Shemsi Aslani, Michi Stössel, Nikoll Bitiqi und Fabrice Stutz im Junioren Team Kumite am European Shotokan-Cup ESKA 2010 in Koblenz (Deutschland)!

Nach den Titelgewinnen in den zwei letzten Jahren im Jugend Team Kumite, hat dieses Jahr wirklich niemand ersthaft damit gerechnet, dass unsere Aushängeschilder in der Junioren-Katagorie (bis vollendetes 20stes Lebensjahr) bereits wieder an der Spitze mitmischen werden. Einmal mehr war es aber für die Zuschauer eine Freude zuzuschauen, was man mit viel Herzblut und Teamgeist alles erreichen kann.

Nach Siegen über Polen und Tschechien stand den Jungs die Equipe der Deutschen gegenüber. Die Deutschen starteten mit ihrer stärksten Auswahl, darunter auch Titelträger bei EKF und WKF Meisterschaften. Das machte die Aufgabe für unsere Jungs natürlich nicht einfach, umso mehr waren diese für die bevorstehende Aufgabe motiviert. Wie vor jeder Begegnung starteten sie mit dem Urkampfschrei „Hoooop Schwiz“, der ihre uneingeschränkte Solidarität untereinander noch verstärken sollte.

Fotos von Lamberto Grippi, Andrea Brunner und Stephan Läuchli. Videos von Eveline Kaufmann. Siehe auch SKR Fun Kader.

European Shotokan-Cup ESKA 2010 in Koblenz (Deutschland)Nach unentschiedenen Kämpfen von Shemsi und Michi lag die ganze Last im dritten Kampf auf den Schultern von Nikoll. Auf die Tsodan-Sturmläufe des Deutschen gut eingestellt, verhinderte es Nikoll geschickt, dass dieser mit seiner Spezialtechnik punkten konnte. Eine Minute vor Schluss liess Nikoll eine seine Kizami-Granaten explodieren. Die Schiedsrichter schienen ebenfalls beeindruckt, sodass sie die Technik mit einem sauberen, direkten Ippon und somit dem vorzeitigen Sieg Nikolls bewerteten.

Unbeschreiblich der Jubel bei den vier Freunden – das bedeutete den  Einzug in den Final! Nach dem Abgrüssen der Teams – der Schock! Die Schiedsrichter haben nach der Urteilsverkündung und dem Abgrüssen festgestellt, dass der deutsche Wettkämpfer blutet. Sie beorderten mich als Coach an den Wettkampftisch und erklärten mir, dass die Wertung ein Schiedsrichterfehler war und die Entscheidung revidiert werden müsse.

Die neue Ausgangslage war nun also folgende: Anstelle des Ippons und dem Einzug in den Final gegen England erhielt Nikoll für Kontakt einen Hansoku Chui und musste noch eine Minute weiterkämpfen! Unglaublich!

Welcher Druck das für den Wettkämpfer nach der Erlösung und dem Jubel bedeutete, kann man sich kaum vorstellen. Das Ganze wurde durch die spezielle Affiche Schweiz – Deutschland natürlich noch verstärkt. Mit welcher Konzentration sich Nikoll einen weiteren Punkt erkämpfte, den Sieg schlussendlich doch noch ins Trockene brachte, und mit welcher Beherrschtheit die übrigen Teammitglieder (im Gegensatz zum Coach) auf die skandalösen Umstände reagierten, löste bei mir als Coach eine riesige Bewunderung und einen Riesenstolz über meine Jungs aus!

Den anschliessenden Finalkampf gegen die "Kampfmaschinen" aus England endete schliesslich mit einem knappen Sieg in der Unterbewertung für die Insulaner. Trotzdem, dieser zweite Rang unter über zwanzig Mannschaften ist ein Megaerfolg und ein wunderbarer Jahresabschluss.

 Jugend Team Kumite Angela Rufer, Sina Kaufmann und Sina AebiEine Bronzemedaille erhielten auch unsere vier Damen im Jugend Team Kumite Angela Rufer, Sina Kaufmann und Sina Aebi. Da jedoch nur 4 Mannschaften am Start waren, ging es im Vornherein nur um die Verteilung der Podestplätze.

In den Einzelbewerben mussten viele unserer Teilnehmer Lehrgeld bezahlen und schieden bereits in der ersten Runde aus. Im Shobu Ippon sind die Entscheidungen in jedem Kampf sehr eng. Es ist also nicht immer so, dass man schlecht gekämpft hat, wenn man bereits früh ausscheidet.

Trotzdem kämpften sich Michi Stössel, Angela Rufer und Sina Kaufmann bis in die vierte Runde vor. Hätten sie diese Kämpfe gewonnen, wären sie im Halbfinale gestanden und die Bronzemedaillen wären ihnen sicher gewesen. Da das Turnier jedoch ohne Trostrunde gekämpft wird, blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf einen guten Wettkampf zurückzublicken.

Bericht ESKA Europacup in Koblenz/D, 27. und 28. November 2010Wettkampftag 2

Den ersten Wettkampftag zu toppen schien unmöglich. Dani Rüegg, Shemsi Aslani, Nikoll Bitiqi, Michi Stössel und Fabrice Stutz brachten das Kunststück fertig!

In den Einzelbewerben standen am Sonntag neben Nina Rechsteiner (Kata) nur noch Marco Luca im Kumite im Einsatz.

Topmotiviert und gut vorbereitet gewann Marco die beiden ersten Kämpfe. In der dritten Runde stand ihm mit dem Deutschen Christian Grüner ein harter Brocken gegenüber. Dieser beendete mit diesem Europacup seine Aktivkarriere und wollte Marco natürlich (ausser seinen berühmt-berüchtigten Kizamis) keine Geschenke verteilen.

Sehr geschickt antizipierte Marco die Angriffe Grüners, konnte aber seinerseits ebenfalls keine gültige Wertung erziehlen. So lautete das Urteil nach zwei Kampfminuten unentschieden. In der Verlängerungsminute sollte die erste wertbare Technik den Kampf entscheiden. Leider war das eben eine dieser bereits erwähnten Supertechniken des Deutschen, die Marco zu spät kommen sah.

Das nun anstehende Elite Team Kumite sollte aus meiner Sicht unseren Jungs die erste Möglichkeit bieten, einmal an der Welt der Elite zu schnuppern. Als ich vor Wettkampfbeginn die gegnerischen "Kampfmaschinen" sah, beneidete ich meine Sportler wahrlich nicht um deren bevorstehende Aufgabe.

Dani Rüegg, Shemsi Aslani, Nikoll Bitiqi, Michi Stössel und Fabrice StutzWas diese nun aber nach einem Freilos in der ersten Runde gegen die Gegner aus Italien und Wales zeigten, verdient wirklich meinen grössten Respekt. Die Mischung zwischen den bis in die Zehenspitzen motivierten jungen Wilden Nikoll, Michi und Fabrice und den routinierten Dani und Marco stimmte einfach perfekt. Sowohl den brutal hart einsteigenden Italienern wie auch Wales, welches in der Runde zuvor die starken Portugiesen ausgeschaltet hatte, liessen die Eidgenossen keine Chance und qualifizierten sich fürs Halbfinale gegen England. Unglaublich!

Gegen die Vorjahressieger unter der Leitung von Cheftrainer Frank Brennan hatten wir jetzt wirklich nichts mehr zu verlieren.

Nach vier spannenden und hart geführten Kämpfen war die Ausgangslage für Dani Rüegg als Schlusskämpfer klar – er musste mit einer direkten Ippon-Wertung gewinnen.

Sein Auge und sein Gefühl nach über zwei Jahren Wettkampfpause ist sehr beeindruckend. Bis kurz vor Schluss des Kampfes taktiert Dani geschickt und sucht die direkte Entscheidung. Seinen Vorderfuss-Mawashi, aus Schweizer Sicht klar im Ziel, werten die Schiedsrichter nicht, dafür aber den Konterzuki des Engländers. So ziehen die Engländer einmal mehr in den Final ein und uns bleibt die uneingeschränkte Freude über die Bronzemedaille

Dass sich unsere Sportler masslos über die Schlussentscheidung der Schiedsrichter ärgern, unterstreicht deren Potential noch zusätzlich. Ich für mich denke, dass es so vielleicht besser ist  -  man soll nicht alle Äpfel auf einmal pflücken.

Allen Medaillengewinnern ein Riesenkompliment und auch allen andern wünsche ich wunderschöne und erholsame Festtage.

Beni Stössel