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Bericht ESKA Europa-Cup in England 2008

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ESKA 2008 London - Klicken zum VergrössernWas bereits mit einem Wochenend-Vorbereitungstraining vom 14. und 15. November in Rüti angefangen hatte, wurde am 20. November 2008 auf dem Flughafen Kloten offiziell gestartet - das Unternehmen ESKA Shotokan-Europacup 2008 in Crawley/England.

Pünktlich um 9.00 Uhr trafen sich Stephan Läuchli, Christian Mundwiler, Dani Brunner, Michael Baumann, Beni Stössel, Mathieu Amiet, Florian Weber, Patrik Lengwiler, Céline Marti, Nikoll Bitiqi, Shemsi Aslani, Michi Stössel und Esteban Nieto bei der Bye-Bye-Bar im Flughafen Kloten. Beni Isenegger reiste einen Tag später nach London.

Nach einem ruhigen Flug und einer ca. halbstündigen Busfahrt trafen wir gegen Mittag im Hotel Ramada in Crawley ein. Dieser Ort liegt etwa eine Autostunde von London entfernt. Nach der Zimmerverteilung legten die Coaches den nächsten Programmpunkt fest - 18.00 Uhr für ein lockeres frische Luft schnappen und Bewegungstraining. Das Nachtessen genossen wir alle zusammen am grossen, reichhaltigen Hotelbuffet. Ein kurzes Auskundschaften der Umgebung, DVD schauen oder in der Hotelbar diskutieren und schon war der erste Tag gelaufen.

Am Freitag war das Morgenessen um 9.00 Uhr Pflicht. Danach hatten die Sportler freie Zeit bis 13.30 Uhr. Von 14.00 bis 15.00 Uhr war ein Training angesagt. Coach-Meeting, Kongress und Referee-Meeting - alle hatten ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Für den Abend haben wir in der Kleinstadt Crawley in einem italienischen Restaurant für die ganze Delegation Plätze reserviert. Natürlich war bei den meisten Pasta angesagt - es galt, die nötigen Energiespeicher für den anstehenden Wettkampftag zu füllen! Nachdem wir Dessert und Kaffee genossen hatten, trafen auch unsere Offiziellen Stephan und Christian sowie etwas später auch noch die ESKA 2008 SKR Kader - Klicken zum vergrössernSchiedsrichter Dani und Beni ein. Der Kongress und das Schiedsrichtermeeting nehmen natürlich keine Rücksicht auf knurrende Sportlermägen. Das wars dann für die Sportler und Coaches für diesen Abend, fuhr doch der Shuttle am Freitagmorgen bereits um 7.15 Uhr in die Sporthalle. Zurück im Hotel, trafen sich alle Sportler auf dem Zimmer 505 der Coaches Michi und Beni. Die schon legendäre Startnummernverteilung und die letzten Worte der Coaches vor dem Wettkampftag findet immer im Coachzimmer statt. Im Grossen und Ganzen ging es um das Bewusstsein eines jeden Sportlers, warum bin ich da, was habe ich mir für Ziele gesetzt, bin ich bereit, wie kann ich meine positive Einstellung mit in den ersten Kampf nehmen, Gruppendynamik wie, alle für einander - jeder für jeden usw. Ich glaube, alle Wettkämpfer sind mit den richtigen Gedanken in ihr Zimmer gegangen und waren sich bewusst, welche Ziele wir an den folgenden zwei Wettkampftagen erreichen wollten.

Man sagt, im Coachzimmer sei an diesem Abend der erste der ca. 5 Spielfilme geschaut worden - an den genauen Inhalt kann sich aber vor allem einer unserer Coaches nicht mehr so genau erinnern.

Freitag, 22. November 2008 6.00 Uhr - Tagwache! Jetzt gahts los! Der Wettkampf beginnt! Jugend- und Juniorenbewerbe standen auf dem Programm.

Als erster musste Patrik Lengwiler auf die Matte. Seine Heian-Kata-Vorführung war solide und technisch sauber. Dass einem die Nervosität und vielleicht auch die noch ein bisschen fehlende Selbstsicherheit auf diesem Niveau die nötige Spritzigkeit etwas raubt, musste auch Patrik erfahren. Nach einem ausgeglichenen Hantei entschieden sich die Schiedsrichter schliesslich für Patriks Kontrahenten. Patrik hat in den letzten Wochen unter dem neuen Kata-Coach Dani Brunner extreme Fortschritte gemacht und wir sind für seine Zukunft sehr zuversichtlich.

Im Einzelkumite Jugend Damen war mit Céline Marti die einzige Dame unserer Delegation am Start. Souverän gewann sie Ihren ersten Kampf. Im zweiten Kampf unterlag sie der späteren Finalistin knapp nach Punkten. Coach Michi Baumann zeigte sich sehr zufrieden mit der kämpferischen und aktiven Leistung von Céline. Wir hoffen, dass sie in Zukunft nicht mehr als einzige Frau mitreisen muss. Meines Erachtens hat sie sich aber in unserer männerdominanten Gruppe bestens behauptet.

Einzelkumite Jugend Herren. Hier haben wir unser ganzes Kontingent von vier Sportlern ausgeschöpft. Jetzt galt es für Michi und mich, zwischen den fünf Kampfflächen geschickt hin und her zu pendeln. Michi Stössel war als erster dran. Voll motiviert und einem klaren Ziel vor Augen stieg er in diesen ersten Kampf gegen einen Russen. Mit einer gelungenen Ashibarai-Tsuki Kombination konnte er den Kampf mit einer direkten Ippon-Wertung für sich entscheiden. Den zweiten Kampf verlor er gegen einen der Turnierfavoriten und späteren Finalisten knapp nach Punkten.

Auch Shemsi, wie immer voll motiviert und agressiv, liess seinem ersten Gegner keine Chancen. Mit einem Italiener bekam er in der zweiten Runde einen harten Brocken vorgesetzt. Man darf nicht vergessen, dass alle Kategorien ohne Gewichtsklassen durchgeführt werden. So war Shemsis Kontrahent sicher 15 cm grösser und 20 kg schwerer als er selber! Nichts desto trotz kämpfte er sich über die normale Kampfzeit und die Verlängerung, wo es schlussendlich immer noch unentschieden stand. Dass sich die Schiedsrichter schliesslich im Hantei für den Italiener entschieden, war eher Glück als Können für diesen.

Für Nieto Esteban bedeutete bereits der erste Kampf das vorzeitige Aus. Trotz eines beherzten Kampfes musste er feststellen, dass für das Reussieren auf diesem Niveau noch das gewisse Etwas fehlt. Ich hoffe, seine Motivation hat durch dieses Erlebnis weitere Nahrung erhalten.

DEN TAG hat an diesem Samstag Nikoll Bitiqi eingezogen. Souverän kämpfte er sich von Sieg zu Sieg und erreichte unangefochten den Einzug ins Halbfinale (4 Wettkämpfer) vom Abend. Alle wussten - für Nikoll ist heute alles möglich! Leider verlor er den einzigen Kampf des Tages (7 Kämpfe total) um den Einzug in den Final knapp. Die Bronzemedaille bedeutet aber für Nikoll ein Riesen-Erfolg und das ganze Schweizerteam mag ihm diesen von ganzem Herzen gönnen! BRAVO!

Im Junioren Einzel-Kumite stand Florian Weber im Einsatz. Dass er sich in einer blendenen Verfassung befindet, hat er bereits bei den vergangenen Turnieren dieses Jahres bestätigt. Die ersten beiden Kämpfe entschied er mit sauberen, ansatzlosen Kizamis beziehungsweise Giakuzukis zu seinen Gunsten. Man sah es in seinem Gesicht an - heute wollte er etwas Grosses erreichen. Leider verunmöglichten es ihm die Schiedsrichter im dritten Kampf, der um den Halbfinaleinzug entschied, mit teils unverständlichen Entscheiden, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es war wirklich extrem schade - da wäre etwas dringelegen!

Jugend-Team Kumite: Wir haben ein ausgeglichenes, starkes Team in welchem jeder einzelne an der Spitze der Jugend-Kategorie mitzumischen fähig ist. Mit diesem Wissen machten sich die beiden Coaches daran, die Jungs auf die bevorstehende Aufgabe vorzubereiten. Unser Hauptaugenmerk legten wir dabei darauf, den Wettkämpfern klarzumachen, dass jeder für den anderen kämpfen soll. Jeder von ihnen bekam die Aufgabe, zwei Kohlen (2 Wazaaris) für seine Kollegen aus dem Feuer (Tatami) zu holen. Einen Kreis bilden, einander um die Schultern fassen, einander tief in die Augen schauen, den letzten symbolischen Worten des Coaches zuhören und zuletzt ein gemeinsamer lauter Kampfschrei - die Jungs sind mit ganzem Herzen für ihre Aufgabe bereit!

ESKA 2008 Team Kumite Jugend - Klicken zum VergrössernNach einem Freilos in der ersten Runde wartet in der zweiten Runde der Sieger der Begegnung Wales - Oesterreich. Erwartungsgemäss sind es die Oesterreicher, die sich durchsetzen. Sie sind auch gegen uns Favorit, stehen doch die zwei Finalisten der Jugend-Einzel-Kategorie in ihren Reihen. Unsere Jungs interessiert das wenig, bereits durch viele Teilnahmen an Auslandturnieren erfahren, zählt für sie nur eins - der Sieg!

Shemsi tritt als erster gegen den EKF und WKF erprobten Wettkämpfer an, der bereits in der Einzelkategorie Michi zum Verhängnis geworden ist. Nach einem ausgeglichenen Kampf musste sich Shemsi schliesslich knapp geschlagen geben. Es wäre mehr dringelegen, aber Shemsi war noch nicht auf Betriebstemperatur.

Im zweiten Kampf setzte sich Nikoll souverän durch, er war an diesem Tag wirklich nicht zu stoppen. Nun lag es an Michi, diese Begegnung zu entscheiden. Auf der anderen Seite stand aber der Europacup-Sieger in der Einzel-Jugendkategorie. Keine leichte Aufgabe also - da gab es nur eines - volles Rohr! Es war unser Tag - Michi gewinnt und die Schweiz eliminiert die favorisierten Oesterreicher, die sich nur schwer mit der Niederlage abfinden können.

Unser nächster Gegner: Russland! Wir stellten die Mannschaft um und liessen Michi als ersten starten. Der gewichtige Russe liess auf einen harten Kampf schliessen. Leider entschied ein Uramawashi ins Niemandsland, den ausser dem Hauptkampfrichter niemand gesehen hatte, diese Partie bevor sie so richtig begonnen hatte. Ein krasser Fehlentscheid! Insider wissen, welchen Stellenwert eine direkte Ipponwertung in einem Teamwettbewerb mit Dreierteams hat. Shemsi und Nikoll waren nichts desto trotz gewillt, diesen Fehlstart für ihren Teamkollegen auszubügeln.

Shemsi ging sogleich mit einem Giakuzuki 1 : 0 in Führung. Natürlich hätten wir unbedingt einen direkten Ippon gebraucht, um die Partie wieder auszugleichen. Und Shemsi brachte es tatsächlich fertig: Mit einem sauberen Wurf und einem sauber getimten Zuki auf den am Boden liegenden Russen holte er in Begleitung eines ohrenbetäubenden Kiais, der den ganzen Frust des vorangegangenen Fehlurteils zu wiederspiegeln schien, den so dringend benötigten Ippon! Diese wieder offene Ausgangslage liess sich ein Nikoll in seiner Bestform von den Russen nicht mehr nehmen und machte mit der Nummer 3 des Gegners kurzen Prozess.

Wir standen im Final! England - Schweiz

Wer weiss, welches Karate die Engländer in dieser Organisation (ESKA) praktizieren, wer ihr Coach ist (Frank Brennan) und wie frenetisch die Einheimischen ihre Gladiatoren anzufeuern im Stande sind, ist sich im Klaren, welches unvergessliche Erlebnis auf unsere Cracks wartete. Jeder wäre wahrscheinlich mit der Silbermedaille höchst zufrieden gewesen. Shemsi, Nikoll und Michi interessierte das nicht, sie hatten etwas gerochen, was nur wahre Champions im Stande sind zu riechen. Sie wollten alles!

Wir stellten wieder um. Shemsi, jetzt auf Betriebstemperatur, sollte eine gute Ausgangslage schaffen. In einem knüppelharten Fight (mit den Engländern gibt es nur das) gelang keinem der Kontrahenten ein Punkt. Somit lag die Last der Entscheidung auf unseren zwei Jüngsten. Wie Nikoll die Kohlen aus dem Feuer holte, war sensationell und der Grundstein zu dem Ereignis, von dem bis jetzt noch niemand zu träumen wagte.

Die ESKA 2008 Team Kumite Jugend - Klicken zum vergrössernAufgabe für Michi war jetzt klar. Er durfte nicht mit mehr als mit einem Wazaari verlieren. Wenn ich den Engländer so betrachtete, der mindestens einen Kopf grösser war als Michi , dachte ich für mich: Gute Nacht! Zu was man im Stande ist, wenn man seine Kollegen im Rücken weiss und diese unter keinen Umständen enttäuschen will, zeigte Michi während den nächsten zwei Minuten. Zwei schwere Treffer und ein Wazaari des Engländers, ein knallharter Feger von Michi in die obere Schienbeinregion, der den Engländer minutenlang am Boden liegen liess, sein Weiterkämpfen - Kompliment, denn sonst hätten wir durch Honsoku verloren - waren die Ausgangslage für die entscheidenden letzten 16 Sekunden. Mit den letzten Kräften eines verletzten Tigers (blaue Nase und Bruce Lee-Abdruck auf der Brust) rettete Michi dieses Resultat über die Sekunden, die uns alle wie eine Ewigkeit erschienen.

Europacup-Sieger Jugend-Team Kumite 2008
im Shotokan-Karate!

Am Sonntag bei den Elite-Bewerben stand Mathieu Amiet im Einsatz. Alle Schweizer fuhren mit dem ersten Shuttle in die Halle, trotz kleineren Festivitäten am Vorabend, um Mathieu anzufeuern. Man sah ihm an, dass er sich gut vorbereitet hatte und so ging er auch schnell 1 : 0 in Führung. Mit dem Sieg in Sichtweite war er ein Bruchteil einer Sekunde nicht aufmerksam genug und der Gegner erwischte ihn mit einem Mawashi-Geri. Die direkte Ippon-Wertung bedeutete das Ende aller Träume. Mathieu hat gut gekämpft aber schlussendlich nichts geerntet. Schade!


Ein riesiges Kompliment an alle Teilnehmer der Schweizer Delegation. Nur mit der Unterstützung und dem Teamgeist aller Wettkämpfer, Coaches, Schiedsrichter und Funktionäre sind solche Erfolge zu verwirklichen.

Es war wunderschön!

Beni Stössel