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JKA Europacup-Titel für unsere Junioren

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JKA Europacup Tschechien - Schweizer Delegation SKRMit einer 11-köpfigen Delegation reiste der SKR am 30. März 2012 an den JKA-Europacup nach Prag.

Sensei Sugimura      Mitglied des JKA-Boards
Stephan Läuchli       Offizieller
Dani Brunner           Coach Kata
Beni Stössel            Coach Kumite
Lukas Inauen          Kata Junioren
Kurt Wyler               Kata Elite
Angela Rufer           Kumite Junioren
Shemsi Aslani          Kumite Elite
Nikoll Bitiqi               Kumite Junioren
Kaan Sentürk          Kumite Junioren
Michi Stössel           Kumite Junioren

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Angela Rufer, 3. Rang JKA Europacup Prag 2012Bereits um 6.15 Uhr versammelten wir uns am Freitag auf dem Flughafen Kloten. Mit einem frühen Flug wollten wir uns einen Stadtrundgang im schönen Prag ermöglichen.

Leider mussten wir feststellen, dass uns für dieses Wochenende kein Wetterglück beschert sein dürfte. Bei Regen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt beschränkte sich unser Stadtbummel mehr oder weniger auf Restaurant- und Kaffeebesuche.

Am Samstagmorgen wurden wir bereits um 7.00 Uhr per Bus in die dem Hotel nahe gelegene Sporthalle gefahren. Lukas Inauen musste als erster auf das Tatami. Mit sauberen Katavorführungen kämpfte er sich bis in die dritte Runde vor.

Eine Runde weiter, nämlich unter die letzten acht Athleten kam Kurt Wyler. Mit seiner gezeigten Jion platzierte er sich schlussendlich auf dem 6. Rang in der Kata Elite. Nach seinem vierten Platz beim letztjährigen ESKA-Europacup hat er sich vermutlich etwas mehr erwartet.

Nach dem Mittag waren unsere Junioren an der Reihe. Voll Enthusiasmus starteten sie in ihre Kämpfe. Nach nicht ganz nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheiden schieden Nikoll und Kaan bereits in der ersten Runde aus.

Michi kämpfte sich bis in die dritte Runde vor, wo ihm aber im Kampf um den Halbfinaleinzug buchstäblich die Luft ausging. Nach harten Vorkämpfen und einer zweiminütigen Pause war er richtiggehend „platt“ und war zu keinen Aktionen mehr fähig. So verlor er gegen den Konkurrenten den er später im Team-Kumite problemlos besiegte.

Angela Rufer 3. Rang Karate Europacup TschechienBesser machte es Angela Rufer, welche sich diskussionslos fürs Halbfinale der letzten vier qualifizierte. Dort unterlag sie aber leider einer cleveren Engländerin, welche sich ausschliesslich aufs Kontern beschränkte, um den Einzug in den Final. Trotzdem guter dritter Rang für Angela!

Als letzter Einzelkämpfer hatte Shemsi Aslani anzutreten. Der Blick auf die Auslosungen verriet mir jedoch nichts Gutes, musste Shemsi doch bereits in der ersten Runde gegen den vermutlich besten Kämpfer des Turniers antreten. Nach einem sehr ausgeglichenen Kampf musste sich Shemsi schliesslich knapp mit 0 : 1 dem Belgier beugen. Leider werden diese Meisterschaften ohne Trostrunden ausgetragen.

Nun blieb also nur noch der Team-Wettbewerb - unsere Paradedisziplin! Anzumerken ist, dass wir nicht mehr in der erfolgsverwöhnten Formation Shemsi, Nikoll und Michi antreten konnten, sondern Shemsi altershalber zu ersetzen hatten. Mit Kaan stand uns aber ein Ersatz erster Güte zur Verfügung.

In der ersten Runde warteten die Deutschen auf uns. Aus den Gesichtszügen des ersten Deutschen (einem sicher beinahe 100 kg-Brocken) glaubte ich, eine gewisse Ueberheblichkeit ersehen zu können. Uns konnte das recht sein, da wir noch nie mit einem Team an diesen Meisterschaften gestartet sind, waren wir noch nicht so bekannt.

Nikoll Bitiqi, Kaan Sentürk, Michi Stössel JKA Europacup 2012Vor einem Jahr beim ESKA-Europacup in Koblenz haben unsere Jungs aber bereits das offizielle WKF-Junioren-Team der Deutschen geschlagen, und diese sind vom Leistungsniveau sicher zwei Klassen höher einzustufen als der jetzige Gegner. So stellte sich der Deutsche also selbstbewusst unserem Nikoll entgegen. 

Nach dem Hajime dauerte es genau etwa 10 Sekunden, bis ein trockenes Klatschen durch die Sporthalle hallte. Mit einem sauberen Mawashi-Geri und einer klaren Ippon-Wertung brachte Nikoll seinem Kontrahenten bei, wie es bei diesem Kampf um die Stärkenverhältnisse bestellt war. Nach weiteren Siegen durch Michi und Kaan besiegten wir die Deutschen mit einem Resultat, welches die Schweiz vor allem im Fussball meistens in der umgekehrten Konstellation kennt. Um so schöner war es!

Nun bekamen wir es aber mit den Belgiern zu tun. Diese haben in den letzten Jahr extrem gute Arbeit geleistet und stellten die mit Abstand erfolgreichste Kumitedelegation dieser Meisterschaft. Sowohl der Elite-Kumite-Final als auch der Junioren-Kumite-Final wurde unter zwei Belgiern ausgetragen. Nichts desto trotz musste der Kampf zuerst ausgetragen werden. Und „vom sich vom Gegner beeindrucken lassen“ sind unsere Jungs schon seit Jahren meilenweit entfernt. Mit dem altbewährten „Hopp Schwiz“-Kampfschrei-Ritual starteten sie in die brisante Begegnung.

Shihan Sugimura freut sich über den ErfolgAus taktischen Gründen habe ich die Mannschaftsaufstellung etwas geändert und liess Kaan als ersten Kämpfer starten. Gegen den um einen Kopf grösseren Gegner zeigte Kaan von Anfang an, dass Respekt für ihn ein Fremdwort ist. Mit einem sauberen Giakuzuki-Tsodan lancierte er sogleich den ersten Angriff und liess die Fahne des Ecken-Schiedsrichters auf die Seite schnellen. Der Konter des Belgiers traf Kaan aber so hart an der Gurgel, dass wir zuerst das Schlimmste befürchteten. Minutenlang blieb Kaan am Boden liegen und für seine Teammitglieder und mich trat das „wer gewinnt“ sofort in den Hintergrund. Kaan konnte nicht mehr weiterkämpfen und der Belgier wurde disqualifiziert.

Mit einem Sieg im zweiten Kampf machte Nikoll die Finalqualifikation der Schweiz bereits vorzeitig klar. Die Gesundheit von Kaan stand aber nun für alle im Vordergrund und alle freuten sich, als langsam klar wurde, dass keine ernsthafte Verletzung passiert war. Klar war nun aber auch, dass wir den Final gegen Tschechien am Abend nur noch mit zwei Kämpfern bestreiten mussten!

Im Laufe des Nachmittags bemerkte ich aber in den Gesprächen mit Kaan, dass er unbedingt im Final dabei sein wollte und so seine Teamzugehörigkeit noch unterstreichen wollte. Im Gespräch mit Michi und Nikoll beschlossen wir schliesslich, die zwei Routiniers als eins und zwei aufzustellen, und diese voll auf Sieg kämpfen zu lassen, so dass Kaan im dritten Kampf nicht mehr unbedingt mit letztem Risiko kämpfen musste.

Karate Sieger Junioren Team-Kumite SchweizSo standen die drei schliesslich um 20.00 Uhr auf dem Tatami, fest entschlossen, die angefangene Erfolgsgeschichte zusammen zu Ende zu bringen. Eine schwierige Aufgabe erwartete Nikoll im ersten Kampf. Der Tscheche war ein Kopf grösser und verfügte über sehr lange Arm- und Beinhebel. Mit geschickter Störarbeit und guten Augen brachte Nikoll seinen Kampf schliesslich über die Zeit. Trotz allem mussten wir mit dem Unentschieden zufrieden sein.

Im zweiten Kampf ging Michi konzentriert zur Sache und entschied den Kampf mit zwei sauberen Fausttechniken vorzeitig für sich.

Nun war Kaan also doch für die Entscheidung zuständig. Ein Unentschieden hätte uns für den grossen Triumpf gereicht. In den Augen von Kaan sah ich aber sofort, der würde sich mit einem Unentschieden nicht zufrieden geben.

Agressiv und leichtfüssig hielt er seinen Gegner auf Trab. Als dieser sich das erste Mal zu einer Angriffsaktion durchringen konnte, konterte ihn Kaan im Ansatz mit einem super getimten Tsodan-Tsuki ab, was den Schiedsrichtern keinen Spielraum bei ihrer Entscheidung liess  -  Ippon!

Die Jungs holen bei ihrer ersten Teilnahme gleich den wertvollen Titel im Junioren-Team-Kumite! Dass das ganze Turnier ohne Gewichtsklassen gekämpft wird, wertet die Erfolge sicher noch zusätzlich auf.

Allen Sportlern herzliche Gratulation zu den mega Erfolgen !

Beni Stössel